internet süchtig

Smartphone und Gesundheit

Laut einer Studie der Universität der Eötvös Lorand Universität in Ungarn sind ca. 560.000 Menschen in Deutschland internetsüchtig. Diese Sucht kann jeden treffen, egal in welchem Alter. Da sich für die meisten der Alltag kaum noch ohne S.m.a.r.t. phone leben lässt, liegt die Sucht im veränderten Verhalten. Die Sucht entwickelt sich schleichend und wie alle Süchte von den Betroffenen meist selbst nicht erkannt. Dazu braucht es ein gutes soziales Umfeld, freundliche Fürsorge für einander, denn die ersten offensichtlichen Veränderungen sind am veränderten Verhalten zu erkennen. Freunden und Familie werden es am ehesten bemerken, wenn Betroffene sich mehr und mehr zurückziehen, in Gesprächen das s.m.a.r.t phone gar nicht mehr aus der Hand legen, immer wieder Nachrichten checken und Gespräche mittendrin einfach unterbrechen um ihre Follower auf Facebook und Instagram zu kontrollieren.

Dieses Verhalten ist nicht nur unhöflich dem realen Gesprächspartner gegenüber, sondern führt, wenn es zu einer Gewohnheit wird direkt in die Sucht.

Kann ein Handy süchtig machen?

Man kann von einem Gerät nicht süchtig werden. Das Verhalten, wie und zu welchem Zweck das s.m.a.r.t. phone benutzt wird kann süchtig machen. Da ein s.m.a.r.t. phone nicht einfach nur ein Telefon ist, sondern auch viele andere Funktionen hat und entsprechend viele unserer individuellen Alltagstätigkeiten unterstützt, ist es mittlerweile ein Alltagshelfer, Spielkamerad, digitale Sekretärin, Navigationsgerät, Fotoalbum und vieles mehr. Jede neue Mobilphone Generation hat noch mehr Möglichkeiten auch die kleinste Alltagstätigkeit digital zu bestimmen. Ob das nun wirklich nötig ist um den Alltag zu meistern, kann ich hier nicht beantworten. Das bleibt jedem selbst überlassen, wie digital sein Leben sein muss.
Die digitale Vernetzung und die allzeitige Verfügbarkeit machen es leicht sich mit jeder Nachricht einen kleinen Belohnungskick zu geben.

Die Sucht entsteht, wenn die Belohnung ausbleibt. Welche Belohnung ist hier gemeint? Jedes mal, wenn wir auf dem s.m.a.r.t.phone eine Nachricht erhalten, freuen wir uns darüber und agieren entsprechend. Dabei ist es egal, ob es dann um eine gute oder schlechte Nachricht handelt. Das beurteilen wir erst, wenn wir diese gelesen haben und entscheiden müssen, wie wir darauf reagieren. Unser Gehirn reagiert auf den Reiz und schüttet ein Hormon aus. Das Glückshormon Dopamin wird ausgeschüttet und verursacht ein freudiges Gefühl. Kommt es zu einer Aktion und Handlung entsprechend des Reizes entsteht ein Gefühl der Zufriedenheit und innerer Bestätigung. Dieser stark vereinfacht beschriebener Ablauf geschieht bei den meistens unbewusst und doch ist der Vorgang gleich, wie bei Abhängigkeit von Substanzen, wie zum Beispiel Heroin.
Das Gehirn schüttet Glücksgefühle aus, wenn wir eine positive Aufmerksamkeit erleben. Im Alltag haben wir aber keinen dauernd neben uns stehen, der überspitzt gesagt uns die ganze Zeit erzählt, dass wir wichtig sind, toll, cool und mega interessant sind. (Sicher gibt es Zeitgenossen, die sich selbst am wichtigsten finden, nur von sich sprechen und sich immer toller und cooler finden als alle anderen, aber das ist ein anderes Thema).

Selbstüberprüfung

Wir haben also immer die Möglichkeit zu überprüfen, ob wir (noch) wichtig sind, uns keiner vergessen hat und wir gebraucht werden. Dazu checken wir regelmäßig die Nachrichten, tweets und Follower auf Instagram. Dieses Verhalten führt direkt in eine Abhängigkeit. Denn jedes Like und jeder Kommentar bedeutet Aufmerksamkeit = Glücksgefühl.

Dadurch, dass wir mit dem Taschentelefon uns selbst immer wieder den Kick geben und vermeintlich belohnen, durch die dauernde Aufmerksamkeit von anderen, machen wir uns abhängig von Urteilen und vermeintlichen Ansichten. Realistisch betrachtet ist jeder mit seinem Handy allein unterwegs, sitzt still den Kopf geneigt vor sich hinschauend und tippt mit dem Finger je nach Gemüt, Situation und Meinung unpersönlich in sein Gerät. Eine richtige Kommunikation zwischen Menschen findet nicht statt.
Es wird Nähe simuliert durch likes, Bilder und emojis.

Körperhaltung = Bewusstsein

Die ständig gebeugte Kopfhaltung führt unter anderem dazu, dass das Bilckfeld eingeschränkt. Dazu das kleine Display welches die Augen zwingt auf kleinsten Raum fokussiert zu belieben. Die Kommunikation wird sehr verkopft geführt und nicht durch Mimik, Gestik, Gefühl und Stimme geführt, sondern nur mit den Fingerkuppen. Eine sehr begrenzte Ausgangslage für eine gute menschliche Kommunikation.

Da aber diese Geräte nicht mehr zulassen, das menschliche Gehirn sich sehr gut dieser Begrenzung anpassen kann und die äusseren Reize (likes, Nachrichten ect.) wahrnimmt. Sinkt der Dopaminspiegel ab, kommt es zu dem Bedürfnis für Nachschub und man checkt „mal eben“ das Handy.
Dieses unbewusste Verhalten führt in Kontaktabbruch und soziale Kälte, da in Gesellschaft eine Beschäftigung mit sich und dem s.m.a.r.t.phone unsozial und respektlos gegenüber anderen ist.
Wer bei Treffen mit Freunden sein Telefon nicht aus den Augen und Fingern legen kann und alle paar Minuten seine Nachrichten checken muss, zeigt eine deutliche Suchttendenz. Folgern sind gestörtes Selbstbewusstsein, Ängste, gestörtes Sozialverhalten, Kommunikationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Schlafstörungen bis hin zu Depressionen.

Wie kann man entgegenwirken?

Der erste Schritt ist zu erkennen, dass der digitale Alltagshelfer ein technisches Gerät und kein Ersatz für Freunde und Familie ist. Wir können ihn nutzen um mit ihnen zu telefonieren aber jede Minute des Lebens in das Telefon zu tippen, posten, tweeten reduziert uns selbst auf ein maschinenabhängiges Wesen, was die menschliche Vielfältigkeit brach liegen lässt.
1. Mensch sein bedeutet Vielfalt und diese ist im ersten Schritt für sich selbst zu erfahren. Mach dir bewusst, dass du ohne dein s.ma.r.tphone geboren wurdest und du auch ohne dieses Gerät sterben wirst. Das klingt etwas drastisch, hilft dir aber die Realität in der du dich befindest besser wahr zu nehmen.
2. Der nächste Schritt ist, beginne deine Selbstgespräche zu beobachten. Was erzählst du dir selbst den ganzen Tag? Welche Sätze kommen dir in den Sinn, wenn du deine Nachrichten kontrollierst? Welche Sätze denkst du, wenn du dein Handy gerade nicht zur Hand hast? Wieviele Minuten, Stunden kannst du es liegen lassen?
3. Gehe öfter in die Natur. Ohne dein s.m.a.r.t.phone! Nimm ein kleines Tagebuch mit und schreiben auf, was du dort siehst und wie du dich dabei fühlst. Du wirst erleben, dass du hier Glücksgefühle erlebst, die deutlich länger anhalten, als nach dem checken deiner Nachrichten auf dem s.m.a.r.t.phone.

Besonderer Tipp:
Da sich unsere Gesellschaft mittlerweile in einem globalen digitalen Wandel befindet und Kinder, wie Erwachsene diese „Alltagshelfer“ benutzen, ist jeder gefährdet. Die Plattform OASIS bietet eine online Ambulanz für Betroffene und Angehörige an. Auf der Seite gibt es auch die Möglichkeit für einen Selbsttest. Hier können Betroffene und Angehörige für Betroffene einen kurzen Fragebogen durchklicken und innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis mit weiteren Hilfen bekommen.
Hier geht es zum Selbsttest.